Palladium „Pataugas“ French Canvas Boots (Military Version)

Da ich immer wieder auf diese Stiefel angesprochen werde, dachte ich mir das ein Review mit ein wenig allgemeiner Aufklärung dazu wohl nicht ganz verkehrt sein könnte.

Ich persönlich glaube das man diese  Stiefel oder „Boots“ hierzulande sehr unterschätzt, was wohl auf die mangelnde Bekanntheit zurückzuführen ist. Aber dazu später mehr.

Zunächst ein wenig zum Hintergrund

DER NAME:

Diese Art Stiefel findet man in diversen Variationen sowie unter verschiedensten Bezeichnungen/Schreibweisen und Namen. Im engl. oft einfach nur  „FRENCH CANVAS BOOTS“, genannt, findet man ihn sonst auch unter „RANGERS TOILE“, „PALLADIUMS“ (bei Palladium heißt der Boot PAMPA) und „COMMANDO BOOT“ bis hin zu dem im französischen wohl geläufigsten Namen „PATAUGAS“.

Betrachtet man sich die Historie des Stiefels ist dies auch nicht so ganz verwunderlich. Das Design existiert in seiner Grundform immerhin schon seit 1950 und wurde im Laufe der Jahre von diversen Herstellern, sowohl im zivilen als auch militärischen Bereich, verwendet und kopiert.

Dabei bedeutet „PATAUGAS“ im französischen lediglich soviel wie „Bergstiefel“. Vermutlich ist die umgangsprachliche Bezeichnung vom Schuhhersteller gleichen Namens abzuleiten, denn die Firma PATAUGAS gilt als der Erfinder und ist zusammen mit PALLADIUM und WISSART wohl der bekannteste Hersteller.

HISTORIE:

Das „Neue“ an diesem Design, war damals, dass eine robuste Gummisohle direkt mit dem Oberschuh verschmolzen wurde. Dies sollte den Schuh besonders robust machen.  In der Tat wurden die leichten und robusten Pataugas bei Wanderern und andern frühen „Outdoor“ Enthusiasten schnell sehr beliebt. In den 50er Jahren wurde er zunächst von der französischen Fremdenlegion und später auch der restlichen Armee verwendet.  Pataugas fanden im Indochina- und Algerienkrieg sowie den Dschungeln der franz. Kolonien in Übersee Einsatz und sind auch heute noch Ausrüstungbestandteil der französischen Armee.

PERSÖNLICHE ERFAHRUNG:
Mir begegnete dieser Boot erstmalig in den 80er Jahren. Damals erlebten die Leinenboots aus Frankreich eine kleine Renaissance. Ich hatte damals zwar noch keine Ahnung von Historie und Hintergrund, stellte jedoch schnell fest dass diese ( ich hatte „No Name“) Boots besonders an heissen Tagen extrem angenehm zu tragen und auch stabil genug für Outdooraktivitäten waren. Also doch mehr als nur ein „Fashion-Ding“ ?!
Dieses erste Paar war dann fast 8 Jahre lang immer wieder im Gebrauch, bis es dann aus Materialermüdung eines Tages die „Segel strich“. Damals, noch zu internetlosen Zeiten, konnte ich leider keinen Ersatz  finden und wusste auch gar nicht so wirklich wo und wie ich suchen sollte, bzw. ob es solche Boots überhaupt noch gab.

So gingen Jahre ins Land, mit Dutzenden von anderen Treckingschuhen und Stiefeln, aber immer wieder erinnerte ich mich vor allem in heissen Sommern oder in den Tropen an die Leinenboots von „Damals“. 😉
Mehr durch Zufall stieß ich dann 1999 in Frankreich (wen wundert´s) auf ein Paar PALLADIUMS. Nun hatte ich endlich einen Markennamen und wurde neugierig was dahinter steckte. Erst jetzt erschloss sich mir, das „meine Boots“ die Kopie eines auch im Militär verwendeten Schuhs für heisse und tropische Klimate gewesen sind. Auch die israelische Armee verwendete diesen Schuh.  Man kann daher auch heute noch Pataugas als „Commando Boots“ aus israelischer Herstellung bekommen.
Seit dieser Zeit habe ich nun einige Modelle besessen und „erprobt“. Sowohl für den beruflich/privaten Gebrauch als auch für Outdoor und Airsoft. Einige habe ich nun wieder seit 8 Jahren im Gebrauch ohne wirklich nennenswerte Abnutzungserscheinungen. Was ich schon erstaunlich finde
Für Urlaube oder berufliche Reisen in den Süden bzw. immer wenn´s heiss wird, ist seitdem mindestens immer ein Paar mit dabei und ich wollte sie auch nicht mehr missen.
Zivile und Armee Variante im Vergleich
Besonders die letze mir bekannte Armee Variante, die ich hier näher Vorstellen und Vergleichen möchte, habe ich dabei in den letzten Jahren schon einigen Stress- und Härtetests unterzogen.


FAKTEN:
Bei der mir bekannten Militärversion (Hersteller: PHOENIX PALLADIUM) handelt es sich um einen 8 Loch High Boot. Damit ist er höher als die älteren (6 Loch) Versionen, stabilisiert somit aber auch besser. Beim Aussenmaterial handelt es sich um robustes imprägniertes Leinen mit Inneseitiger Beschichtung. Die Fersen sind zur besseren Stablisierung doppelt genäht. Die in einem Stück gefertigte, mit dem Leinen verschweißte Sohle besteht aus hochwiderstandsfähigem Gummi und ist mit dem groben jedoch effektiven, klassischen „Palladium“-Profil versehen (Siehe Bild).

 
Palladium PROFIL

Andere Hersteller können u. Umständen auch andere Profile verwenden.
AIGLE PROFIL

Im Normalfall haben „Pataugas“ eine leichte Innensohle aus einem sehr groben Leinen/Bast-Material. Diese ist herausnehmbar und kann durch jede andere handelsübliche Innensohle ersetzt werden. In den 50er/60er Jahren dienten große gummierte Logos auf Höhe der Knöchel gleichzeitig als Schutz für die Knöchel. Bei meiner Variante sind diese zwar nicht zu finden, mit der 2010er  Kollektion von Palladium tauchen diese aber bei den Zivil-Modellen wieder auf.

Die Militärversion macht vom Obermaterial augenscheinlich einen etwas robusteren und steiferen Eindruck als die aktuellen „zivilen“ Verwandten, ist aber auch ein wenig unsauberer verarbeitet, was sich jedoch bisher nicht negativ bemerkbar machte.
Insgesamt ist der Stiefel trotz der reinen Verwendung von Leinen als Obermaterial, erstaunlich stabil. Andere vergleichbare Konzepte z.B. der schwerere US Jungle Boot von ALTAMA (siehe Bildvergleich) verwenden hier viel Leder. Gerade diese Materialwahl macht aber, aufgrund der besonders guten Ventilations-Eigenschaften bei insgesamt geringem Gewicht, den hohen Tragekompfort der Pataugas aus.

Der Stiefel selbst ist sehr angenehm und bequem zu tragen, auch auf langen Strecken und bei hohen Temperaturen. Selbst bei schwierigen Strecken im Gebirge machte er bisher immer eine ausgesprochen gute Figur. Ich habe ihn auf mehreren Bergtouren, bei sengender Hitze, harten Geröllstrecken und scharfkantigem Gestein (u.a. eine Besteigung des Olymp bei über 40° Grad Aussentemperatur) eingesetzt. Auch Airsoftspiele in felsigen Regionen Griechenlands aber auch in Deutschland hat er immer mit Bravour bestanden. Zumindest die Armeevariante übersteht auch einen Regenschauer problemlos.

Ich denke das ich auf eine recht gute Auswahl entsprechender Vergleichsmöglichkeiten  zurückgreifen kann, entscheide mich aber im Sommer (je wärmer es wird) meistens wieder für den „Pataugas“. Für heisse und trockene Klimate ist der Pataugas meiner Ansicht nach ideal.
SAWTOOTH,ALTAMA,DESERT FOX, PATAUGAS

PREISE:

Hinzu kommt das die Stiefel recht günstig zu bekommen sind. Meine habe ich für 20,-EUR auf  Ebay.fr erstanden. Die zivile, 6 Loch Variante gibt es für ca. 50,- EUR

TIPP:

Wie bei vielen Stiefeln empfiehlt sich beim Pataugas unbedingt, immer eine Nummer Größer zu kaufen als die eigene normale Schuhgröße. Das gilt sowohl für die Armeeversion wie für die zivilen Varianten.

KOPIEN:

In den letzen Jahren sieht man in diversen Army-Shops immer wieder Kopien des Pataugas in olive mit schwarzer Sohle. Oft wird er dort als Kommando Boot bezeichnet. Diese asiatischen Kopien sind wirklich nicht mit Originalen zu vergleichen. Der Gummi ist wesentlich härter und nicht so flexibel, das Obermaterial dünner und starrer als bei allen Varianten die ich bisher kennengelernt habe. Ich würde daher jedem empfehlen die  ca. 20,- € mehr in ein Original zu investieren.

By Hornblower 2011

(Nachtrag 31.8.11)
PALLDIUM GOES HOLLYWOOD
In „I´M LEGEND“ trägt übrigens auch Will Smith ein Paar Palladiums 😉
I´m Legend

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